Mit einem torlosen Remis ist der 1. FSV Mainz 05 am Sonntagnachmittag vor heimischem Publikum in die Saison 2022/23 gestartet. Gegen Union Berlin hatten gut 25.000 Zuschauer einen äußerst durchwachsenen ersten Durchgang erlebt, bevor beide Teams nach dem Seitenwechsel einen Gang höher schalteten. Wenngleich der FSV dem Siegtreffer näher schien, war die Punkteteilung bei Temperaturen jenseits der 30 Grad auf dem Rasen der Mainzer Heimspielstätte unter dem Strich verdient.

Gegenüber dem Auftaktsieg in Bochum hatte Bo Svensson zwei Veränderungen vorgenommen und den wiedergenesenen Kapitän Silvan Widmer und Marcus Ingvartsen für Edimilson Fernandes sowie Angelo Fulgini in die Startelf beordert.

Wenig los vor der Pause

Die Geschichte des ersten Durchgangs im ersten Heimspiel der neuen Saison, das bei hochsommerlichen Temperaturen stattfand, ließ sich schnell erzählen: Beide Teams neutralisierten sich weitestgehend, ließen keine Tiefenläufe zu, so dass in einem recht statischen Spiel kaum Torgefahr aufkommen wollte. Einen Hauch davon strahlte Widmers Kopfball nach einer Ecke von Anton Stach (13.) aus, der das Gehäuse verfehlte. Eine Minute später musste sich Union-Keeper Frederik Rönnow mächtig strecken, nachdem Jae-sung Lee eine Flanke aus dem Halbfeld missglückt war, die sich gefährlich Richtung Tor senkte (14.). Die Gäste kamen ihrerseits nach einer knappen halben Stunde zu zwei Halbchancen, doch so wirklich gefährlich wurde weder der Kopfball von Niko Gießelmann nach 28 Minuten noch der Versuch von Theoson -Jordan Siebatcheu rund 60 Sekunden später (29.). Das torlose Remis zur Pause war somit folgerichtig und leistungsgerecht.

Mehr Torgefahr nach dem Seitenwechsel

Deutlich lebhafter präsentierten sich beide Teams dann nach Wiederbeginn, der mit unveränderter personeller Besetzung beginnen sollte. Während zunächst die Berliner zwei Mal an einem Treffer schnupperten, als kurz nacheinander die beiden Außenverteidiger Niko Gießelmann (51., aufs Tornetz) und Julian Ryerson (53., knapp am rechten Pfosten vorbei) einen Treffer verpassten, waren es auf 05-Seite Karim Onisiwo und Anton Stach, die aus aussichtsreicher Position zum Abschluss kamen. Der Österreicher scheiterte zunächst per Hinterkopf an Rönnow (54.), Stach zielte vier Minuten später nach Widmer-Ablage zu zentral, bevor erneut Onisiwo mit einem 30-Meter-Kracher gegen den Torhüter den Kürzeren zog (beides 58.). Nach einer guten Stunde reagierte Svensson schließlich erstmals und schickte Leo Barreio und Angelo Fulgini für Stach und Lee ins Rennen (65.). Und der französische Neuzugang hatte in seinem ersten Joker-Einsatz auch gleich die Gelegenheit, zu stechen: Nach einem feinen Ball in die Tiefe von Stefan Bell (in seinem 251- Pflichtspiel für den FSV) tauchte der Mittelfeldmann frei vor Rönnow auf, erwischte das Leder allerdings nicht richtig (69.). 

Mit Beginn der Schlussphase ersetzte dann Eigengewächs Marlon Mustapha Ingvartsen und fügte sich in seinem ersten Pflichtspiel in der MEWA ARENA sofort glänzend ein: Zunächst wurde ein Schuss des Angreifers geblockt (76.), vier Minuten später verpasste der Österreicher die Führung dann nach einem Solo nur knapp, als er den Ball am rechten Pfosten vorbeispitzelte (80.). Und der FSV sollte weiter dran bleiben und bis zum Schluss auf den Treffer des Tages drängen: Nachdem Fulgini eine Minute vor Ablauf der regulären Spielzeit noch geblockt werden konnte, landete das Leder über Barreiro beim ebenfalls eingewechselten Delano Burgzorg, dessen Abschluss Robin Knoche jedoch zur Ecke abfälschte. Es war die letzte Chance der Partie, wenig später war Schluss in der MEWA ARENA. Nach zwei Begegnungen haben die 05ER nun vier Zähler eingesammelt und sind am kommenden Wochenende (Samstag 15.30 Uhr) beim FC Augsburg gefordert.

Mainz 05: Zentner – Widmer, Bell, Hack, Leitsch, Aarón – Kohr, Stach (65. Barreiro), Lee (65. Fulgini) – Ingvartsen (75. Mustapha), Onisiwo (85. Burgzorg)

Union: Rönnow - Ryerson, Jaeckel, Knoche, Diogo Leite, Gießelmann - Khedira, Haberer, Haraguchi - Becker, Siebatcheu

Zuschauer: 25.0009

Schiedsrichter: Daniel Schlager

Stimmen zum Spiel

Karim Onisiwo bei DAZN: "Es war ein Kampfspiel, wir wussten, was auf uns zukommt. Es war ein Duell mit wenigen Torchancen und sicher nicht schön anzuschauen. Berlin hat es uns sehr schwer gemacht, hinter die Kette zu kommen. Es wird für uns der nächste Schritt sein, gegen einen so tief stehenden Gegner Räume zu finden. Dennoch ist es mit vier Punkten aus zwei Spielen ein gelungener Start.                              "Es wird für uns der nächste Schritt sein, gegen einen so tief stehenden Gegner dennoch Räume zu finden. 

Martin Schmidt: "Es ging am Ende darum, in keinen Konter zu laufen. Es ist ein gerechtes Unentschieden, auch wenn wir es am Ende etwas mehr verdient hätten. Beide Defensiven waren sehr stabil, wir haben fast nichts zugelassen, außer Distanzschüsse. Vier Punkte aus zwei Spielen hätte ich im Sommer unterschrieben, es ist ein solider Start."

Stefan Bell: "Das war heute sicher teilweise etwas zäh zum Zuschauen. Vor allem in der ersten Halbzeit hatten beide Mannschaften mit der Hitze zu kämpfen. Nach der Pause hatten wir drei, vier ordentliche Angriffe, die wir einen Tick besser hätten ausspielen müssen. Wir waren etwas näher dran, aber auch nicht so nah, dass wir hätten gewinnen müssen."

Dominik Kohr: "Ich bin zufrieden, wie wir heute aufgetreten sind. Wir haben es über 90 Minuten durchgezogen und wenig zugelassen. Das Einzige, was wir uns ankreiden müssen, ist, dass wir die wenigen Chancen nicht genutzt haben. Hinten hatte ich nie das Gefühl, dass etwas anbrennen kann."

Maxim Leitsch: "Wir haben wenig zugelassen, hatten aber vorne auch nicht viele Chancen. Für die Zuschauer war es sicherlich ein Kackspiel. Insgesamt war es zu wenig, aber wir haben einen Punkt geholt und zu Null gespielt. Mit vier Zählern können wir gut leben und wollen in Augsburg wieder punkten."

Spieler in der Einzelkritik

Robin Zentner Note: 3

Wenn Schüsse in seine Richtung kamen, gingen sie am Gehäuse vorbei. Der Keeper hatte keine Chance, sich auszuzeichnen.

Stefan Bell Note: 2

Ein starker Auftritt des Routiniers in der Abwehrkette. Ließ den Union-Angreifern kaum Platz und hatte auch einige gute Aktionen im Aufbauspiel.

Alexander Hack Note: 2

Die größte Aufmerksamkeit sammelte er mit einem Sololauf bis zum Union-Strafraum, aus dem eine Halbchance entstand. Defensiv ein sehr sicherer Auftritt.

Maxim Leitsch Note: 2

Der Zugang hat erneut bewiesen, wie schnell er in Mainz angekommen ist. Der Innenverteidiger entschied wichtige Zweikämpfe für sich, erhielt bei einer Doppel-Aktion dafür sogar Szenenapplaus.

Silvan Widmer Note: 3,5

Nach überstandenen Magen-Darm-Problemen kehrte der Kapitän auf die rechte Außenbahn zurück. Hatte schon nach wenigen Sekunden eine gute Szene, blieb insgesamt aber blasser, als man es von dem Schweizer gewohnt ist.

Aaron Martin Note: 3,5

Dem Spanier gelang es diesmal kaum, offensive Akzente zu setzen. Auch seine Standards kamen diesmal weniger gut. Er half aber bei der Defensivarbeit intensiv mit.

Dominik Kohr Note: 2,5

Wenn die Defensive gut steht, hat der Mittelfeldmann daran meist einen großen Anteil – so auch diesmal. Stoppte immer wieder die Berliner konsequent.

Anton Stach Note: 4,5

Begann das Spiel mit einem Top-Pass auf Widmer nach wenigen Sekunden. Danach gelang dem Mittelfeldspieler allerdings nicht mehr viel. Bei zwei guten Abschlusschancen traf er den Ball nur schwach. Hatte zudem viele Fehlpässe im Spiel.

Jae-sung Lee Note: 3,5

Agierte diesmal etwas weiter vorne als zuletzt. Hätte fast das Tor kopiert, das Kevin Stöger vor einer Woche gegen Mainz geschossen hatte (14.). Brachte in einigen Szenen Belebung ins Spiel, doch die große Effizienz fehlte.

Marcus Ingvartsen Note: 4,5

Nachdem er beim Auftakt gegen Bochum 90 Minuten draußen saß, rückte der Stürmer nun überraschend in die Startelf. Gegen seinen Ex-Club gelang ihm aber wenig. Immer wieder blieb er an den Gegenspielern hängen.

Karim Onisiwo Note: 3,5

Kassierte eine (umstrittene) frühe Gelbe Karte, ging dennoch immer voll in die Zweikämpfe. Setzte auch seinen Körper immer wieder ein und erspielte sich so einige gute Szenen. Dennoch gelang ihm diesmal kaum Torgefahr.

Leandro Barreiro Note: 0

(ab 65. für Stach) Brachte nach seiner Einwechslung wie gewohnt viel Leidenschaft aufs Feld.

Angelo Fulgini Note: 0

(ab 65. für Lee) Der Zugang legte einen auffälligen Kurzauftritt hin. Sein Abschluss nach Vorarbeit von Bell geriet noch etwas schwach, da hätte er auch ablegen können. Dann zeigte er aber mit einer überragenden Ballannahme und einem ebenso überragenden Pass auf Mustapha sein technisches Können. War nach einer Balleroberung auch an der letzten Mainzer Offensivaktion beteiligt.

Marlon Mustapha Note: 0

(ab 77. für Ingvartsen) Der Stürmer setzte sich direkt in Szene. Nahm den Pass von Fulgini gut auf, schob den Ball aber knapp vorbei. Insgesamt erneut ein erfrischender (Kurz-)Auftritt.

Delano Burgzorg Note: 0

(ab 87. für Onisiwo) Hatte in der 90. Minute einen Abschluss, sein abgefälschter Schuss ging aber vorbei.

Im Kader: Finn Dahmen, Aymen Barkok, Niklas Tauer, Anthony Caci, Edimilson Fernandes.