Caci-Kracher sichert Remis gegen Hertha

Chancenarmut in der MEWA ARENA: 05ER holen im Duell mit Ex-Trainer Sandro Schwarz in letzter Sekunde einen Zähler

Eine Partie auf äußerst überschaubarem Niveau endete zum Auftakt des siebten Spieltags in der MEWA ARENA mit einem Paukenschlag: Dank des entschlossenen Last-Minute-Abschlusses von Joker Anthony Caci sicherte sich der 1. FSV Mainz 05 dabei beim 1:1 (0:1) gegen Hertha BSC auf der Zielgeraden noch einen wertvollen Zähler. Die Führung für die Gäste hatte in Durchgang eins Lucas Tousart besorgt. Über die beiden Tore hinaus hatten Großchancen ansonsten über 90 Minuten auf sich warten lassen, weil die auf die Defensive bedachte Hertha stabil stand und dem FSV ohne den verletzten Jonny Burkardt zu häufig die Durchschlagskraft fehlte. 

Bo Svensson hatte gegenüber der Niederlage in Hoffenheim zwei Veränderungen vornehmen müssen: Für den gesperrten Alexander Hack begann Edimilson Fernandes und für den verletzten Burkardt rückte Jae-sung Lee in die erste Elf. Bei den Gästen rückte Jean-Paul Boëtius, der bis zum Sommer beim FSV unter Vertrage gestanden hatte, erstmals in die Startelf. Auf Seiten der Gastgeber, die zunächst aus einer nominellen 5-2-3-Grundordnung heraus agierten, sollte Fernandes die Position auf Rechtsaußen übernehmen, während Kapitän Silvan Widmer halbrechts ins Zentrum rückte - Stefan Bell übernahm in der Mitte.

 

Biedere Gäste gegen ideenlose 05ER

Die Anfangsphase gestaltete sich so ausgeglichen wie ereignisarm. Beide Teams neutralisierten sich und drangen zu keinem Zeitpunkt in die gefährlichen Zonen vor. Den ersten halbwegs nennenswerten Torschuss gab Karim Onisiwo so auch erst nach 18 Minuten ab, als der Stürmer es aus rund 20 Metern probierte, das Tor aber deutlich verfehlte. Die Gäste zeigten sich vor allem nach Ballgewinnen gefährlich, Versuche schnell umzuschalten blieben jedoch in dieser ersten halben Stunde immer wieder im Ansatz stecken. In der 28. Minute versuchte es Chidera Ejuke aus der Distanz, zielte dabei aber ebenso ungenau wie Onisiwo zuvor. 

Die erste echte Gelegenheit einer Partie auf überschaubarem Niveau sollte die Hertha dann aber - auf Einladung der Gastgeber - nutzen: Ejuke hatte, nach einem unsauberen Klärungsversuch von Maxim Leitsch, auf der linke Seite viel zu viel Zeit zum Flanken, fand im Zentrum den schon Sekunden zuvor freistehenden Tousart, der aus acht Metern unbedrängt zur Führung einköpfen konnte (31.). An der Qualität der Begegnung änderte dies zunächst wenig, die nächste Chance hatte dennoch die Hertha, die bislang wenig hatte investieren müssen, um verdient zu führen: In der 41. Minute landete das Leder erneut bei Ejuke, der wieder zu viel Zeit hatte und Robin Zentner mit einem Schlenzer aus 14 Metern zur Reaktion zwang. Das 2:0 lag in dieser Szene durchaus in der Luft. Die beste, wenn auch nicht wirklich klare Chance, für die 05ER bot sich schließlich in der Nachspielzeit Fernandes, dessen Linksschuss am Gehäuse vorbeirauschte (45.+1). 

Besser, aber selten zwingend

Mit Wiederbeginn brachte Svensson Eigengewächs Marlon Mustapha für den unauffälligen Angelo Fulgini. Und der FSV kam mutiger aus den Katakomben. In der 47. Minuten wurde ein Versuch von Lee geblockt. Es sollte, trotz der nun leicht verbesserten Spielanlage, die zunächst einzige Gelegenheit in einer nach wie vor chancenarmen Begegnung bleiben. Wenig später zog der 05-Trainer seinen zweiten Wechsel und brachte Anthony Caci für Aarón, um auf dem linken Flügel für Belebung zu sorgen. Nach einer knappen Stunde musste dann auch Fernandes angeschlagen vom Feld - ihn ersetzte Danny da Costa, der damit sein Saisondebüt feiern durfte. Aus dem Spiel heraus gelang beiden Mannschaften auch in diesem zweiten Durchgang herzlich wenig, so dass Standards herhalten mussten. Im Anschluss an einen Eckball landete der Rebound bei Leandro Barreiro, dessen Kopfball aber zu zentral geriet und Oliver Christensen vor keinerlei Probleme stellte (64.). 

In der Schlussphase reagierte Svensson erneut und brachte in Marcus Ingvartsen und Aymen Barkok (05-Debüt) seine letzten beiden Joker. Für sie musste neben Stefan Bell auch Mustapha angeschlagen weichen. Der FSV stellte nun um auf eine defensive Viererkette und setzte offensiv alles auf eine Karte. In Ansätzen sollte es in der Folge dann auch gefährlich werden, so richtig zwingend jedoch selten. In der 81. Minute schlug Ingvartsen zehn Meter vor dem Tor ein Luftloch und schrammte so am Traumcomeback vorbei. Und der Däne sollte tief in der Nachspielzeit auch noch einmal zum Abschluss kommen, setzte seine Direktabnahme im Anschluss an eine Ecke jedoch neben das Tor. Das Spiel schien gelaufen, doch der FSV steckte nicht auf und kam in letzter Sekunde doch noch zum so wichtigen Lucky Punch. Die Gäste-Defensive wehrte eine Flanke aus dem Halbfeld zu kurz ab, Caci nahm das Leder aus zehn Meter entschlossen volley, traf das Leder perfekt und markierte in der 94. Minute den kaum noch für möglich gehaltenen Ausgleich - in buchstäblich letzter Sekunde.  Schiedsrichter Frank Willenborg pfiff die Begegnung im Anschluss nicht noch einmal an.

Nach nun sieben Begegnungen haben die 05ER elf Partien auf dem Konto und sind im Anschluss an die anstehende Länderspielpause beim SC Freiburg (01. Oktober, 15.30 Uhr) gefordert. Eine Woche später gastiert Leipzig mit Cheftrainer Marco Rose in der MEWA ARENA.

Spieldaten

Aufstellung

Stimmen zum Spiel

Bo Svensson (05-Coach): „Wir haben keine gute erste Halbzeit gespielt, da hat vieles gefehlt. Fußballerisch und von der Haltung her hat mir das gar nicht gut gefallen. Wir haben nicht das auf den Platz gebracht, was wir uns vorgenommen haben. Wir wollten in der zweiten Halbzeit dann über die Zweikämpfe ins Spiel kommen, weil wir gemerkt haben, dass es spielerisch schwer werden würde. Dass wir am Ende mit dem Lucky Punch das 1:1 machen, freut uns, aber inhaltlich war das nicht gut. Wir freuen uns über den einen Punkt, aber wir gehen kritisch mit uns um.“

Sandro Schwarz (Hertha-Coach): „Die letzte Sekunde hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Das fühlt sich schon brutal an, dass wir mit der letzten Aktion diese zwei Punkte verlieren. Wir haben in der ersten Halbzeit eine sehr ordentliche Leistung abgerufen. Wir waren sehr mutig und sehr konsequent – vor allem auch in der Verteidigung. In der zweiten Halbzeit haben wir Probleme bekommen, weil wir uns auf diesen Ringkampf eingelassen haben. Da haben wir uns auch ein Stück weit beeindrucken lassen. Ein großes Dankeschön an die Leute hier in Mainz, die mich sehr freundlich empfangen haben.“

Anthony Caci (05-Torschütze): „Die 94. Minute war super für mich. Ich freue mich sehr darüber, das Tor geschossen zu haben. Es hat lange gedauert, aber im Fußball sieht man, dass man immer bis zuletzt alles geben muss. Das Tor war sehr gut für mich, aber vor allem auch für die Mannschaft. Ich denke, ich habe heute meine Aufgabe gut erledigt.“

Silvan Widmer (05-Kapitän): „Wir haben in der ersten Hälfte zu langsam gespielt, zu wenig geradlinig, haben zu wenig Bewegung im Spiel gehabt. In der zweiten Halbzeit sind wir ein bisschen aktiver gewesen und haben dadurch Oberhand bekommen, ohne die großen Chancen herauszuspielen. Das späte Tor fühlt sich gut an und ich bin sehr happy für Anthony. Er ist ein harter Arbeiter, der hier sehr gut integriert ist, und ich hoffe, dass ihm das Auftrieb geben wird.“

Danny da Costa (eingewechselter 05-Rechtsverteidiger): „Es war zunächst ein wenig schwierig für mich, Fuß zu fassen. Dann hatten wir aber weitestgehend den Ball. Und ich glaube, wir hätten am Ende sogar noch ein bisschen mehr daraus machen können, dass Berlin uns so das Feld überlassen hat. Für mich war meine Einwechslung ein tolles Gefühl. Dafür bin ich Profi, um auf dem Platz zu stehen. Ich habe lange darauf hingearbeitet und lange gebraucht, bis ich wieder schmerzfrei bin. Und ich bin froh, dass ich der Mannschaft heute helfen konnte.“

Martin Schmidt (05-Sportdirektor): „Lange Zeit war es zu wenig. Wir hatten Probleme mit der Aggressivität des Gegners. Wir waren in Zweikämpfen zu spät, zweite Bälle landeten fast immer beim Gegner. Und mit Ball haben wir unkontrolliert nach vorne gespielt. Wir hatten eigentlich die ganze Zeit keinen Zugriff aufs Spiel. Am Ende ist der Punkt trotzdem sehr wichtig. Aber wir haben viel aufzuarbeiten.“

Jean-Paul Boetius (Ex-05er in Hertha-Diensten): „Die Rückkehr hätte schon schöner sein können, weil sich das 1:1 wie eine Niederlage anfühlt. Klar war es schön, mal wieder die alten Kollegen zu treffen, ich war schließlich vier Jahre hier. Aber es sagt ja viel über das Spiel aus, dass die Mainzer total happy sind und den Punkt wie einen Sieg feiern. Wir ärgern uns sehr, sind sauer, dass es am Ende nicht gereicht hat. Leider haben wir in der zweiten Halbzeit nicht mehr so klar und konsequent gespielt wie in der ersten Halbzeit und haben das wilde Spiel von Mainz mitgespielt. Das war unser Fehler. Das tut weh, das ist einfach.“

Spieler in der Einzelkritik

Robin Zentner - Note 2,5

Der Torhüter war beim Gegentor machtlos, hielt stark gegen Chidera Ejuke (41.) und war ansonsten weitgehend beschäftigungslos.

Silvan Widmer - Note 3,5

Der Kapitän lief auf der von ihm weniger geliebten Rolle als Innenverteidigung auf. Vor dem Gegentor gelang es ihm nicht, die Flanke der Hertha zu verhindern. Ansonsten machte er seine Sache ordentlich.

Stefan Bell - Note 3

Rückte diesmal für den gesperrten Hack auf die zentrale Innenverteidiger-Position und hatte einen großen Anteil daran, dass die Hertha nur zu wenigen Torchancen kam. Zeigte ein starkes Tackling in höchster Not, aber auch den ein oder anderen Fehler im Spielaufbau.

Maxim Leitsch - Note 4

Der in den ersten Saisonspielen so überzeugende Zugang kommt aktuell nicht ohne groben Patzer durch die Partien. Diesmal leitete seine missratene Rettungsaktion den Gegentreffer ein. Davon abgesehen war es eine zufriedenstellende Leistung.

Edimilson Fernandes - Note 4,5

Der Schweizer rückte überraschend in die Startelf und übernahm den Posten auf der Außenbahn. Viele seiner (Diagonal-)Pässe landeten beim Gegner, gute Offensivaktionen gab es von ihm kaum. Sein Schussversuch aus guter Position landete an der Eckfahne.

Aaron Martin - Note 4,5

Die Hertha versuchte häufig, über seine Abwehrseite zum Erfolg zu kommen, wogegen er sich ordentlich wehrte. Nach vorne gelang Aaron diesmal aber wenig, auch seine Flanken und Standards fanden nur selten den Weg zu den Mitspielern.

Dominik Kohr - Note 3

Der Mittelfelspieler knüpfte bei der Defensivarbeit an seine guten Leistungen aus den vergangenen Wochen an. Kohr zeigte wie gewohnt vollen Einsatz und machte der Hertha so das Leben schwer, half auch aus, wenn ein Mitspieler überlaufen war. Offensiv setzte er indes keine Akzente, aber das ist ja auch nicht seine Hauptaufgabe.

Leandro Barreiro - Note 3,5

Begann das Spiel mit einer guten Balleroberung. Zeigte wieder vollen Einsatz und viel Leidenschaft auf dem Platz, auch wenn ihm dabei nicht alles gelang.

Jae-sung Lee - Note 3,5

Der im offensiven Mittelfeldaugebotenen Südkoreaner hatte die ein oder andere gute Offensivaktionen, die dann aber meist ohne Vollendung blieben. Zudem war er an beiden Toren beteiligt. Vor dem Gegentor bewegte er sich zu spät zum freistehenden Torschützen Lucas Tousart, das 1:1 leitete mit einer guten Flanke ein.

Angelo Fulgini - Note 5

Der Zugang ist irgendwie noch immer nicht richtig in Mainz angekommen. Sein technisches Können hat er wieder nur maximal in Ansätzen gezeigt, das Mainzer Spiel gegen den Ball hat er noch nicht komplett verinnerlicht. Zog sich zudem eine Platzwunde zu und blieb in der Pause in der Kabine.

Karim Onisiwo - Note 4,5

Diesmal brauchte der Stürmer lange, um ins Spiel zu finden. Lange Zeit konnte er sich kaum einmal durchsetzen, wurde aber auch nur selten von seinen Mitspielern in Szene gesetzt. Traf auch einige falsche Entscheidungen. Durch seinen starken Einsatz im Kopfball-Duell flog der Ball dann aber Anthony Caci vor die Füße, so dass dieser zum 1:1 vollenden konnte.

Marlon Mustapha - Note 4,5

(ab 46. Minute für Fulgini) Es war ein unglücklicher Tag für den Stürmer. Nach seiner Einwechslung brachte er zwar seine Wucht auf den Platz, dennoch gelang ihm dabei wenig. Musste dann mit einer Verletzung in der 79. Minute wieder runter und war darüber so verärgert, dass er das Anzeigetäfelchen für Auswechslungen und Nachspielzeit wegtrat.

Anthony Caci - Note 2

(ab 54. Minute für Aaron) Der Zugang startete zwar mit einem Ballverlust, steigerte sich dann aber und hatte einige gute Szenen. Die beste in der Nachspielzeit, als er mit einem herrlichen Volleyschuss den umjubelten Ausgleich erzielte.

Danny da Costa - Note 3

(ab 58. Minute für Fernandes) Schon die Einwechslung war für den Rückkehrer ein besonderer Moment, weil er nach längerwieriger Verletzungspause erstmals wieder auf dem Feld stand. Machte auf der rechten Außenbahn mehr Druck als zuvor Fernandes, hatte viele Ballkontakte und erhöht so den Druck im Kampf um die Stammplätze, wie es auf der anderen Seite auch Caci getan hat.

Marcus Ingvartsen - Note 0

(ab 79. für Mustapha): Auch der Stürmer meldete sich nach einer Verletzungspause zurück. Hatte direkt eine gute Chance, bei der er aber den Ball nicht trag (81.).

Aymen Barkok - Note 0

(79. für Bell) Dem bisher kaum eingesetzten Zugang war die fehlende Spielpraxis anzusehen.