Dank Onisiwo-Dreierpack: Mainzer schlagen Bochum

Treffer von Lee, Widmer und ein dreifacher Onisiwo besorgen den ersten Sieg im neuen Jahr

Am Samstagnachmittag setzte sich der 1. FSV Mainz 05 am 18. Bundesliga-Spieltag in der MEWA ARENA mit 5:2 (3:0) gegen den VfL Bochum durch und gewann somit erstmals in 2023. Die Rheinhessen spielten sich im ersten Durchgang in einen Rausch und nutzten nahezu jede Gelegenheit. Jae-sung Lee erzielte bereits in der ersten Spielminute die Führung für die 05ER, Silvan Widmer legte etwa eine Viertelstunde später nach starker Vorarbeit von Karim Onisiwo nach (18.). Das 3:0 von Onisiwo in der 28. Minute brachte die Mainzer bereits früh im Spiel deutlich in Front. Nach dem Seitenwechsel war es zunächst erneut der österreichische Angreifer, der für die 05ER traf und auf 4:0 erhöhte (57.). Auf der Gegenseite verkürzten der Ex-Mainzer Pierre Kunde (70.) und Erhan Masovic (72.) innerhalb weniger Minuten auf 2:4 und brachten noch einmal Spannung in die Partie. Erst in den Schlussminuten war es wiederum ein Treffer von Onisiwo, der das Spiel zugunsten der 05ER entschied.

Im Vergleich zur Startelf bei der unglücklichen Niederlage gegen Borussia Dortmund am vergangenen Mittwoch tauschte Cheftrainer Bo Svensson auf drei Positionen. Stefan Bell, Dominik Kohr und Ludovic Ajorque durften anstelle von Aarón, Aymen Barkok und Marcus Ingvartsen beginnen.

Déja-vù in Minute eins

Die 05ER starteten furios in die Partie: Wie schon wenige Tage zuvor gegen Dortmund dauerte es nicht lange, bis der Ball erstmals im Netz lag und erneut war es Lee, der zum frühen 1:0 traf (1.). Eine Hereingabe von der rechten Seite rauschte zunächst durch den Strafraum und erreichte Anthony Caci, der den Ball noch einmal scharf machte. Im Zentrum hatte der Südkoreaner keine Probleme, den Ball über die Linie zu drücken.

Onisiwo: Erst Vorlage, dann Tore

Die Mainzer untermauerten den von Beginn an spürbaren Willen, den ersten Dreier im neuen Fußballjahr zu holen, also direkt mit etwas Zählbarem - und spielten weiter nach vorne. So war es Kapitän Widmer, der in der 18. Spielminute auf 2:0 für den FSV stellte, nachdem sich Karim Onisiwo auf der rechten Seite durchgetankt und im Strafraum – etwas glücklich – auf Widmer quergelegt hatte. Die Bochumer zeigten sich zwar bemüht, das Spiel unter Kontrolle zu bekommen und sammelten Ballbesitz, fanden jedoch keinen Weg durch die gut gestaffelte Mainzer Defensive und machten Fehler.

Onisiwo nutzte einen solchen von Danilo Soares, der dem Österreicher den Ball im Spielaufbau in den Lauf spielte. Der FSV-Stürmer blieb vor dem Tor eiskalt und chippte das Spielgerät aus spitzem Winkel über den herauseilenden Manuel Riemann im VfL-Tor (28.). Nur wenige Spielsequenzen später hatte Onisiwo dann aus vermeintlich besserer Position die Chance, auf 4:0 zu stellen, scheiterte dieses Mal jedoch am Gäste-Schlussmann (30.). In der 40. Spielminute wurden dann auch die Bochumer erstmals gefährlich, ein Schuss von Kunde flog jedoch knapp über den Querbalken, sodass äußerst effiziente Mainzer den 3:0-Vorsprung mit in die Pause nahmen.

Onisiwo trifft erneut

Der zweite Durchgang begann zwar nicht ganz so ereignisreich wie der erste, doch auch nach dem Seitenwechsel waren es die 05ER, die die ersten Torchancen für sich verzeichnen konnten. Ludovic Ajorque spielte Onisiwo mit einem sehenswerten Außenristpass frei, der Österreicher scheiterte aber an Riemann (49.). Drei Minuten danach nickte Andreas Hanche-Olsen das Spielgerät im Anschluss an einen Eckball knapp über das VfL-Gehäuse (52.). Wenig später war es dann erneut Onisiwo, der nach einer gleichermaßen cleveren wie gefühlvollen Vorarbeit von Leandro Barreiro vor dem Bochumer Tor auftauchte und unhaltbar in die lange Ecke abschloss (57.).

Bochum kommt nochmal heran, Onisiwo macht den Deckel drauf

Das Spiel schien nun endgültig entschieden und etwas vor sich hinzuplätschern. Doch die Gäste wollten sich noch nicht geschlagen geben und verkürzten innerhalb weniger Minuten auf 2:4. Zunächst traf Kunde mit einem strammen Schuss unter die Latte (70.), nur zwei Minuten später fand auch ein Abschluss von Masovic den Weg in die Maschen des Mainzer Tores (72.). Die Bochumer, beflügelt von den beiden Treffern, nun die druckvollere Mannschaft. Abschlüsse von Konstantinos Stafylidis (73.) und Keven Schlotterbeck (76.) verfehlten das FSV-Tor nur knapp. Die Mainzer hingegen kamen kaum zu Entlastungsangriffen und liefen der Bochumer Offensive über weite Strecken der Schlussphase hinterher. Einmal kamen die 05ER dann aber doch noch gefährlich vor das VfL-Tor. Wieder war Onisiwo zur Stelle und vollstreckte nach einer Flanke von Aymen Barkok in den rechten Winkel und traf zum 5:2, das den Mainzern drei letztlich verdiente Heimpunkte bescherte.

Zweite Englische Woche folgt

Nach den drei Spielen gegen den VfB Stuttgart, Borussia Dortmund und den VfL Bochum innerhalb von sieben Tagen, haben die 05ER gleich die nächste Englische Woche vor der Brust. Am Mittwochabend (20:45 Uhr) sind zunächst die Bayern zum DFB-Pokal-Achtelfinale in der MEWA ARENA zu Gast.

Am kommenden Samstag (15:30 Uhr) geht es auswärts ins Stadion An der Alten Försterei zum Auswärtsspiel bei Union Berlin.

Spieldaten

Aufstellung

Stimmen zum Spiel

Bo Svensson (05-Trainer): „Wir haben konzentriert angefangen. Was wir uns nach dem BVB-Spiel vorgenommen haben, konnten wir heute auf dem Platz auch zeigen. Durch das frühe Tor von Jae-sung Lee haben wir dafür auch die Bestätigung bekommen. Wir waren dann gut drin im Spiel, auch in der zweiten Halbzeit, obwohl wir da nicht so viele Impulse nach vorne gesetzt haben. Ein Schlüsselmoment war auf jeden Fall, dass ich Stefan Bell auswechseln musste. Da hatten wir hatten gerade bei Standards Probleme. Da hätte es nochmal eng werden können. Die beiden Gegentreffer waren natürlich unnötig. Aber man muss sagen, nach dem Nackenschlag am Mittwoch war das heute die richtige Reaktion.”

Thomas Letsch (Bochum-Trainer): „Glückwunsch an Bo und sein Team zum verdienten Sieg. Unser Spiel heute ist einfach zusammengefasst: Im Vorfeld wurde viel darüber gesprochen, dass es ein intensives Spiel wird mit langen Bällen, auch mit dem Fokus auf den zweiten Ball. Wir waren bei diesen zweiten Bällen auch in der Nähe, aber zu oft nicht schnell genug. Der Gegner war gedanklich immer schneller. Und dann kommt noch hinzu, dass wir die Tore hergeschenkt. Beim ersten Gegentor war es eigentlich keine Torchance. Beim zweiten Tor hatten wir den Ball schon wieder und geben ihn her. Und auch beim dritten schenken wir den Mainzern viel zu einfach den Ball. Unter dem Strich war das heute viel zu wenig hier.”

Karim Onisiwo (05-Torjäger): „Ich habe manchmal die ein oder andere Chance. Heute habe ich viele davon genutzt. Heute hätte ich vielleicht sogar noch die ein oder andere mehr nutzen können. Natürlich bin ich heute aber dennoch glücklich über den Dreierpack. Zumal ich mich nicht erinnern kann, dass ich das schon mal geschafft habe. Ich war länger raus durch meinen Zeh, habe nicht trainieren können, habe jetzt einige Spiele gebraucht. Das erste Spiel war nicht gut, das hat mich der Trainer auch wissen lassen. Nach der Kritik habe ich versucht, Gas zu geben, das habe ich jetzt geschafft und hoffe, dass das der Dosenöffner war.“

Ludovic Ajorque (am Dienstag verpflichteter 05-Stürmer): „Ich freue mich für Karim Onisiwo, er hat mit seinen drei Toren ein super Spiel gemacht. Trotzdem stimmt nach ein paar Tagen noch nicht alles in den Abläufen, da werde ich die Mannschaft und Karim noch besser kennenlernen und mich verbessern. Für mich ging es alles sehr schnell. Ich wusste erst vor zehn Tagen vom Interesse von Mainz 05. Nach der Einwechslung gegen Dortmund konnte ich mich schon gut auf die Spielweise einstellen, die in der Bundesliga anders ist als in Frankreich. Jetzt freue ich mich auf das Pokalspiel. Ich wollte schon im Sommer unbedingt nach Deutschland wechseln, um auch gegen so große Clubs wie den FC Bayern zu spielen.“

Martin Schmidt (05-Sportdirektor): „Das war eine konzentrierte, überzeugende Leistung von Anfang an. Bo hat eine Kampfmannschaft aufs Feld gestellt. Das hat man von Anfang an gesehen, um was es heute geht. Ein Riesenkompliment, wie das Team mit dem Druck umgegangen ist, der von der Tabelle her kam. Deshalb war das heute ein Befreiungsschlag mit einem unbändigen Karim Onisiwo, der heute nicht zu bändigen war. Beim 1:4 gab es einen Abstimmungsfehler, dazu ist uns dann noch die Ecke reingerutscht. Das war dann noch etwas Spannung für die Fans, damit es ihnen nicht zu kalt wird. Aber es war zu sehen, dass heute hier nichts zu holen war. Und Karim ist dann ja noch mal abgehauen und hat seinen dritten Treffer gemacht. Das Teams hat gezeigt: Da hinten wollen wir nicht rein. Da sind wir auf einem guten Weg. Die Mannschaft funktioniert.“

Spieler in der Einzelkritik

Finn Dahmen -  Note 3

Der Torwart leitete mit weiten, genauen Bällen auf Sturmtank Ludovic Ajorque einige Angriffsaktionen mit seiner fußballerischen Klasse ein. Mit Paraden konnte er sich kaum auszeichnen, bei den Gegentoren war der 24-Jährige aber auch machtlos.

Silvan Widmer -  Note 2

Wo der Kapitän in den Bundesliga-Spielen zuvor solide agierte, ohne zu glänzen, gelang ihm ein großer Schritt nach vorne. Widmer machte Dampf über die rechte Seite, entfachte mit seinem Treffer zum 2:0 lange vermisste Torgefahr und ließ hinten nichts anbrennen.

Andreas Hanche-Olsen -  Note 2

Der Verteidiger reihte sich ins aggressive Mainzer Auftreten an, gewann die meisten Zweikämpfe unter seinen Teamkollegen (21), agierte im Passspiel deutlich sicherer als noch bei seinem Bundesliga-Debüt gegen Borussia Dortmund. Der 2,5-Millionen-Euro-Neuzugang ist auf dem besten Weg, schnell Stammkraft zu werden.

Stefan Bell -  Note 1,5

Mit 31 Jahren war der Abwehrchef der älteste Mainzer auf dem Platz - und als solcher ein echter Daddy Cool. In seinem ersten Fußballspiel des Jahres schaltete Bell VfL-Stoßstürmer Philipp Hofmann mit all seiner Routine gekonnt aus, verlieh der Defensive enorme Sicherheit. Die geriet erst ins Wackeln, als 05-Trainer Bo Svensson den angeschlagenen Bell sicherheitshalber auswechseln musste.

Edimilson Fernandes -  Note 3,5

Der Schweizer rückte in der Innenverteidigung von der rechten auf die linke Seite. Dort fügte er sich in die kompakte Leistung der gesamten Mannschaft ein, ehe er einen soliden Auftritt mit Fehlern vor beiden Gegentoren trübte.

Anthony Caci -  Note 1,5

Der Franzose dreht im Trikot von Mainz 05 immer mehr auf. Als linker Bahnspieler ersetzte er Aaron Martin, bestätigte seine aufsteigende Form, die er schon in den ersten Bundesliga-Spielen gegen Stuttgart und Dortmund aufblitzen ließ. Hielt seine Seite dicht, trieb gefährliche Angriffe über die linke Seite an, glänzte mit kluger Hereingabe auf Jae-sung Lee vor dem 1:0 und war obendrauf mit 11,8 Kilometern laufstärkster 05er.

Dominik Kohr -  Note 2

"Hard-Kohr" ist ein Spitzname des Trierers - und dem machte er alle Ehre. Der defensive Mittelfeldspieler rückte nach abgesessener Gelbsperre gegen Dortmund zurück in die Mannschaft, hielt das Zentrum vor der Abwehr zusammen, eroberte vor dem 2:0 das Leder gegen den Ex-05er Pierre Kunde. Das Mittelfeld gehörte Mainz - auch ein Verdienst von Kohr.

Leandro Barreiro -  Note 2

Der Luxemburger bekam zum dritten Mal in Folge das Startelf-Mandat, ohne dabei trotz Englischer Woche müde zu wirken. Im zentralen Mittelfeld lief er fleißig Räume zu und machte vor dem 4:0 sicher auch seinen Trainer glücklich. Da behielt Barreiro nach einem erkämpften Ball nämlich die Ruhe, Karim Onisiwo genau im richtigen Moment zu bedienen und sich damit einen Scorer-Punkt zu verdienen.

Karim Onisiwo -  Note 1

Mann des Spiels. Der Österreicher erlebte einen Tag, wie ihn sich Stürmer erträumen. Drei Tore gingen auf sein Konto, vor den beiden anderen Treffern quälte er die bemitleidenswerten Bochumer durch dynamische Vorstöße, bei denen er kaum zu halten war. Dazu kommen Fleißkärtchen in der Arbeit gegen den Ball, der ihm nach dem Spiel vom Schiedsrichter überreicht wurde.

Jae-sung Lee -  Note 2

Wer zu spät ins Stadion kommt, den bestraft Jae-sung Lee. Denn der Offensivspieler avanciert zum Mann der frühen Tore. Brachte er Mainz 05 gegen Dortmund nach zwei Minuten in Führung, ließ er es gegen Bochum schon nach 47 Sekunden klingeln. Arbeitete fleißig, leistete in ständigen Seitenwechseln mit Karim Onisiwo viel Laufarbeit, sorgte so für Konfusion in der VfL-Defensive.

Ludovic Ajorque -  Note 2,5

Wie Mainz 05 läuft, hat der Neuzugang bereits nach fünf Tagen verstanden. Im wahrsten Sinne des Wortes: Denn der Stürmer ackerte ständig nach hinten mit. Vorne gewann er etliche Kopfballduelle, band mit seinem wuchtigen Körper die Gegenspieler, bahnte so Räume. Die nutzten Onisiwo und Lee. Von Ajorque kann noch mehr Torgefahr ausgehen - sein uneigennütziges Auftreten dürfte in der Mannschaft aber Anklang finden.

Anton Stach -  Note 0

(ab 62. für Barreiro): Der Mittelfeldspieler arbeitet sich nach seinem Zehenbruch weiter behutsam heran. Mit energischen Läufen trug er in der Schlussphase den Ball das ein oder andere Mal nach vorne, was half, die Defensive zu entlasten und den Sieg zu sichern.

Aymen Barkok -  Note 0

(ab 62. für Lee): Anders als gegen Stuttgart und Dortmund, wo der Mittelfeldmann als Startelf-Spieler überzeugte, kam Barkok diesmal von der Bank. Und setzte dennoch einen wichtigen Akzent. Mit einem feinen Pass auf Onisiwo bereitete er das erlösende 5:2 vor.

Maxim Leitsch -  Note 0

(ab 68. für Bell): Der Verteidiger konnte nach einem Erschöpfungssyndrom erstmals seit September wieder Bundesliga-Minuten sammeln. Was dafür spricht, dass die Fitnesswerte des Verteidigers stimmen und er auf einem guten Weg ist.

Danny da Costa -  Note 0

(ab 68. für Widmer): Der Ex-Frankfurter wackelte nach seiner Einwechslung genauso wie die gesamte Mainzer Abwehr nochmal unerwartet. Nach der Schockstarre, die mit dem Bochumer Doppelpack zum plötzlichen 4:2 einsetzte, fing er sich mit seinen Nebenleuten auch wieder und spielte die Führung routiniert runter.

Marcus Ingvartsen -  Note 0

(ab 81. für Ajorque): Der Däne kam nach zuletzt blassen Auftritten von der Bank, erkämpfte sich noch einige Bälle und half den Mainzern so in der turbulenten Schlussphase, wieder wichtige Ruhe einkehren zu lassen.